Politikwetten: US-Behörden untersuchen Insiderhandel auf Polymarket und Kalshi

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Die Wette auf den Wahlausgang ist keineswegs nur ein Glücksspiel für den spielfreudigen Wähler.

  • Gesetzliche Vorgaben für verantwortungsvolles Spielen
  • Streit um staatliche Monopole vs. freier Wettbewerb
  • Einbindung von Suchtexperten in die Gesetzgebung
  • Kontrolle von Geldwäsche über Online-Plattformen
  • Auswirkungen des Glücksspielstaatsvertrags auf den Markt

Auch wohlhabende Anleger zocken mit der Demokratie.

Debattenfeld Pro-Argumente (Liberalisierung) Contra-Argumente (Restriktion) Aktueller Stand in DE
Sportwetten-Werbung Informiert über legale Anbieter, lenkt vom illegalen Markt ab Fördert Spielsucht, normalisiert Glücksspiel, zielt auf Jugendliche Beschränkt erlaubt (21-5 Uhr Sendeverbot), Diskussion um Totalverbot
Einsatz- und Verlustobergrenzen Bürokratisch, paternalistisch, umgehbar über illegale Seiten Effektives Mittel zum Spielerschutz, begrenzt finanzielle Schäden 1.000 € monatliche Obergrenze im GlüStV, technische Umsetzung umstritten
Lizenzvergabe und -kosten Hohe Gebühren schrecken legale Anbieter ab, fördern Graumarkt Hohe Hürden filtern seriöse Anbieter, finanzieren Kontrollen Mehrjährige Lizenz für ca. 5-10 Mio. €, Kritik an Höhe

Der Vermögensverwalter Julius Bär hat jetzt zwei Zertifikate aufgesetzt, mit denen Investoren entweder auf den Sieg der Demokraten oder der Republikaner spekulieren können.

Wetten ohne Grenzen

Angesichts dieses Erfolgs wächst das Interesse von Investoren. Kalshi und Polymarket, zwei der größten Prognosemärkte, erhielten in den vergangenen Monaten beträchtliche Wagniskapital-Investitionen, was Reichweite und Nutzerbindung weiter erhöht. So sicherte sich Polymarket Anfang des Jahres frisches Kapital vom Trump-nahen Investmentfonds 1789 Capital, an dem Donald Trump Jr. Der Präsidentensohn sitzt seit August sogar im Beirat von Polymarket. Parallel dazu hat Polymarket eine US-lizenzierte Börse samt Clearinghaus übernommen, um künftig einen regulierten Marktzugang in den USA zu gewährleisten– ein Hinweis darauf, dass die Branche versucht, sich im Einklang mit den Aufsichtsbehörden aufzustellen.

Zur Autorin

Experten wie Crypto.com-CEO Kris Marszalek sehen in Vorhersagemärkten ein enormes Geschäftspotenzial. „Prognosemärkte sind auf dem besten Weg, zu einer milliardenschweren Branche zu werden“, so Marszalek kürzlich gegenüber Reuters. Entsprechend verwundert es nicht, dass auch Traditionsakteure aus der Finanzindustrie einsteigen: Selbst die Intercontinental Exchange (ICE), Betreiberin der New Yorker Börse, plant Medienberichten zufolge eine Milliarden-Beteiligung an Polymarket, um frühzeitig in diesem Trendmarkt Fuß zu fassen. Die Ausweitung von Truth Social zur Wettplattform wirft jedoch kritische Fragen auf – insbesondere hinsichtlich möglicher Interessenkonflikte. In der Vergangenheit hat die Trump-Familie kaum Berührungsängste gezeigt, private Profite und politische Macht zu vermischen. Dafür haben die Schweizer ein Paket aus Unternehmensaktien geschnürt, das je nach Wahlausgang im Wert steigen oder fallen dürfte.

Maßnahmentyp Konkrete Ausgestaltung (laut GlüStV) Umsetzung durch Anbieter Kritik / Probleme
Verpflichtende Spielersperren Eintrag in OSP (Odds-Sperrsystem) für 1 Monat bis lebenslang Technisch implementiert, Sperre gilt über alle lizenzierten Seiten Keine Sperre bei illegalen Anbietern, Umgehung möglich
Realitätschecks & Limits Anzeige von Spielzeit und Verlust nach 1 Stunde, monatliche Einzahlungsgrenze Pop-up-Fenster, Grenzen beim Registrieren festlegbar Pop-ups werden ignoriert, Grenzen können hoch gesetzt werden
Werbe- und Bonusbeschränkungen Keine Werbung für risikoreiche Produkte, Bonus nur für Neukunden Bonusanreize bleiben hoch, Werbung fokussiert auf "Sport" Bonusse locken zum Wechsel, Werbung wird subtiler

Der sogenannte „US Presidential Election-Democrat Victory Basket“ enthält vor allem Konsumaktien wie Walmart, Coca Cola und McDonalds.

Wie in den USA Milliarden in neue Prognosemärkte fließen

Diese engere Bindung zwischen Trumps Medienfirma und der Krypto-Branche ist bemerkenswert und verstärkt Trumps ohnehin wachsende Verknüpfung mit Kryptowährungen. Auch auf inhaltlicher Ebene wird die Zusammenarbeit betont: Truth Socials Streaming-Dienst Truth+ sowie die Fintech-Sparte Truth.Fi sollen in die Prognosemärkte integriert werden. TMTG-Chef Devin Nunes – vormals republikanischer Abgeordneter – preist das neue Angebot ideologisch an. „Zu lange haben globale Eliten diese Märkte streng kontrolliert – mit Truth Predict demokratisieren wir Informationen und befähigen normale Amerikaner, die Weisheit der Masse zu nutzen und freie Meinungsäußerung in umsetzbare Vorhersagen zu verwandeln“, erklärte Nunes pathetisch. Man positioniere Truth Social damit als Alternative zu etablierten Akteuren, indem man die Kraft der Community mit finanziellen Prognosen verknüpfe.

Die Seriosität der Wetten ist zweifelhaft

Trumps Vorstoß kommt zu einem Zeitpunkt, an dem ereignisbasierte Wettmärkte weltweit an Fahrt aufnehmen. Der Handel mit solchen Event-Kontrakten hat seit der letzten US-Präsidentschaftswahl 2024 enorm an Dynamik gewonnen. Traditionell waren Prognosemärkte ein Nischensegment, doch inzwischen werden sie von Finanzexperten als ernsthafte Indikatoren betrachtet – teils sogar als treffsicherer als Umfragen, besonders in knappen Rennen. Beispiele untermauern diesen Boom: Auf der Krypto-Wettplattform Polymarket überschritt das Wettvolumen zur US-Wahl 2024 bereits die Marke von 2 Milliarden US-Dollar, auch der Wettbewerber Kalshi verzeichnet Rekordzahlen. Durch Kooperationen mit etablierten Brokern (etwa Robinhood) erreicht das Handelsvolumen neuerdings ganz andere Dimensionen. So spekuliert Julius Bär, dass diese Konzerne von einem Triumph der Demokraten profitieren würden.

Und in Deutschland?

Wer zehn Euro auf Trump setzt, bekommt im Erfolgsfall gerade einmal zwischen 15 und 17 Euro ausgezahlt. Die Wette auf den aussichtsreichsten Kandidaten der Demokraten, Bernie Sanders, ist deutlich riskanter. Mit zehn Euro können Kunden auf einen Gewinn von bis zu 50 Euro hoffen. Und wer an einen Sieg von Elizabeth Warren glaubt, bekommt mehr als 1000 Euro heraus. Den Wettschein auf den nächsten Präsidenten können Hartgesottene bei einigen Anbietern sogar noch veredeln: Wer meint, dass Trump wegen einer politischen Verfolgung nach seiner Amtszeit ins Asyl flüchtet, der kann seinen Einsatz auf der Plattform „Bet-at-home“ noch einmal verzehnfachen. Das republikanische Gegenstück setzt voll auf die Papiere der US-Techfirmen wie Amazon, Facebook und Alphabet.

Land Regulierungsmodell Lizenzierungsbehörde Steuersatz auf Umsatz
Deutschland Staatsvertrag zum Glücksspielwesen (GlüStV) Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) 5,3%
Österreich Spielbankgesetz (Konzessionssystem) Bundesministerium für Finanzen 40% auf Spieleinsatz (Casino) / 2% auf Wetteinsatz
Großbritannien Gambling Act 2005 UK Gambling Commission (UKGC) 15% auf Bruttospielertrag
Schweden Re-monopolisierung (2019) Spelinspektionen 18% auf Bruttospielertrag

Auf einen Sieg von Donald Trump zu setzen, ist derzeit übrigens günstiger.

Weitere interessante Themen -Tipico FAQ

Das entspricht einem Anstieg von 21 Prozent gegenüber 2018 – und das in einem Jahr ohne internationales Fußballturnier, das üblicherweise als Umsatztreiber gilt. Politische Wetten würden jedoch nicht darunter fallen, erklärt das Bundesfinanzministerium auf Anfrage. Denn die Tipps auf Wahlen oder Politiker gehörten per Steuergesetz nicht zu den Sportwetten. Und deshalb gebe es bet tipico auszahlung dauer trustly auch keine konkreten Zahlen zum Markt. Eines könnte Zocker zunehmend an politischen Wetten reizen: Demokratische Entscheidungen scheinen immer unberechenbarer zu werden.

Wird er weiter den Papst beleidigen?

Meinungsforscher liegen häufiger daneben, Außenseiter gewinnen überraschend Wahlen. Wer frühzeitig auf einen Brexit gesetzt hat, für den dürfte es sich richtig ausgezahlt haben. Noch einen Tag vor dem Referendum konnten Kunden ihren Einsatz bei manchen Anbietern verachtfachen. Und auch Wetten auf einen US-Präsidenten Donald Trump noch vor dessen Nominierung im Jahr 2016 hat manchem wohl ein kleines Vermögen eingebracht. In diesem Jahr geht der Amtsinhaber bei den Buchmachern als Favorit ins Rennen ums Weiße Haus. Das republikanische Aktienpaket ist seit Ausgabestart vor gut drei Wochen um fast ein Prozent gefallen, das Demokraten-Zertifikat hat sich bereits um rund 0,7 Prozent verteuert.

Polymarket, Kalshi & Co.: Trumps Unberechenbarkeit bringt Prognoseplattformen Millionen

Ein Wettschein auf die SPD-Vorsitzende Saskia Esken würde ganze 210 Euro bringen. Und wer ganz besonders risikofreudig ist, kann mit einem Tipp auf den Satiriker Martin Sonneborn auf mehr als 1000 Euro hoffen. Den Anbietern selbst dürfte es vor allem ums Marketing gehen. Auf der Suche nach politischen Prognosen schauen Beobachter zunehmend auch auf die Quoten der Buchmacher. Denn eigentlich verdienen Portale wie „Bet-at-home“ und „Bwin“ ihr Geld mit Tipps auf Sportereignisse.

Journalist von Polymarket-Zockern bedroht

„Die Wetten runden das Wettprogramm als Ergänzung zur Sportwette ab“, heißt es etwa von „Bet-at-home“. Wirtschaftlich würden politische Wetten jedenfalls keine Rolle spielen, die Umsätze seien zu vernachlässigen, erklärt ein Sprecher ohne konkrete Zahlen zu nennen. Der gesamte Markt konnte zuletzt kräftig zulegen. Im vergangenen Jahr brachen die Sportwettenanbieter einen Umsatzrekord. Kunden haben hierzulande rund 9,3 Milliarden Euro an Einsätzen getätigt, wie aus jüngst veröffentlichten Zahlen des Bundesfinanzministeriums hervorgeht. Die Derivate will der Vermögensverwalter mit einem Gesamtvolumen von bis zu 40Millionen Dollar verkaufen. Wetten auf den nächsten Präsidenten oder das vorzeitige Ende einer Kanzlerschaft?

Dann kommen die ersten Drohschreiben

Doch die Plattformen sind nicht nur wegen Insiderwetten eine Gefahr für die Demokratie. Satiriker wie Jimmy Kimmel und Stephen Colbert erleben ihre fruchtbarste und furchtbarste Zeit: Der US-Präsident liefert unzählige Vorlagen – schlägt aber auch vor, einen von ihnen „einzuschläfern“. Betrachtet Trump die TV-Stars als seine größten Konkurrenten? Demoskopen irren sich, Außenseiter gewinnen Wahlen: Wer auf sie setzt, kann bei Wettanbietern richtig Geld machen. Und plötzlich ist ein neues Wettrennen gestartet: Wer wird der nächste deutsche Bundeskanzler?

➕ Wie sind die Politikwetten-Quoten?

Nach der Rücktrittsankündigung von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer bringen sich erste Nachfolger in Stellung, politische Lager werben schon für ihren Favoriten. Und Beobachter spekulieren längst, wer die Nase vorn hat. Wer will, muss bei diesem Wettrennen nicht nur zuschauen – sondern kann teilnehmen. Einige Online-Wettanbieter lassen ihre Kunden nämlich auf den nächsten deutschen Kanzler tippen. Wer jetzt auf der Plattform „Bwin“ zehn Euro auf Friedrich Merz (CDU) setzt, bekäme im Erfolgsfall rund 22 Euro ausgezahlt. „Das ist Zocken im Zwielicht des Halbseriösen“, sagt etwa Wolfgang Merkel, Direktor der Abteilung Demokratie und Demokratisierung am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).

  • Kommunale Ablehnung von Wettbüros in Innenstädten
  • Finanzierung von Sportverbänden durch Sponsoringverträge
  • Ethische Fragen zu Wetten auf politische Ereignisse
  • Regulierung von E-Sport-Wetten als neues Politikfeld

Dass diese Wetten gar politische Partizipation fördern könnten, glaubt Merkel jedenfalls nicht.

Journalist schildert Morddrohungen:Millionenschwere Online-Wetten auf den Iran-Krieg

etwa fungiert offiziell als Berater für die Wettanbieter Polymarket und Kalshi und ist – über seine VC-Firma 1789 Capital – finanziell an Polymarket beteiligt. Während sein Vater öffentlich gegen etablierte „Eliten“ wettert, profitieren er und sein Umfeld augenscheinlich von genau den Märkten, die nun als „demokratisierte“ Alternative präsentiert werden. Deutsche Medien ziehen bereits einen Vergleich zum Glücksspiel: Im Casino gewinnt am Ende immer die Bank – im echten Leben, jedenfalls im Orbit von Donald Trump, ist das oft kaum anders, kommentiert Der SPIEGEL süffisant. Sie verlassen jetzt die offizielle Website der GlückWirtschaft. Für den Inhalt der folgenden Seiten ist die Sigert Verlag GmbH nicht verantwortlich.

Nicht zugelassen in Deutschland

Als die USA Ende der vergangenen Woche innerhalb von 24 Stunden Venezuela mit Luftschlägen angegriffen haben und kurze Zeit später Machthaber Nicolás Maduro in einer Kommandoaktion festsetzten und per Express vor ein New Yorker Gericht verschickten, ging das selbst für hartgesottene Beobachter der Weltpolitik zu schnell. Nicht jedoch für einen anonymen Nutzer der Plattform Polymarket. Der setzte in den Tagen vor der Aktion bereits zahlreiche Wetten darauf, dass das Maduro-Regime noch vor Ende Januar fallen werde. Die letzte am vergangenen Freitag, nur eine knappe Stunde bevor US-Präsident Trump den Einsatzbefehl gab. Weltpolitik als Spekulationsobjekt: Bei bet sportwetten ohne lugas „Prediction Markets“ kann man auf alles wetten – und erstaunlich gut informierte User kassierten beim Sturz Maduros kräftig ab.